oberflaechentag

3. Oberflächentag zeigt Trends auf

Über aktuelle Entwicklungen in der Oberflächentechnik informierten sich mehr als 90 Praktiker sowie Fach- und Führungskräfte beim 3. Südwestfälischen Oberflächentag in der SIHK zu Hagen.

Die Oberflächentechnik ist in Nordrhein-Westfalen prominent vertreten und Südwestfalen bildet einen Schwerpunkt der Branche, da hier zahlreiche mittelständische Unternehmen in der Eisen-, Blech-, Metall- und Kunststoffverarbeitung für die Automobilindustrie, Gebäude- und Medizintechnik tätig sind. „In den vergangenen zwei Jahren haben die technischen Innovationen stark zugenommen und auch die Rahmenbedingungen sind in vielen Bereichen für die Oberflächenbranche im Umbruch“, so Dr. Sven Hering, geschäftsführender Gesellschafter der Metoba Metalloberflächenbearbeitung GmbH in Lüdenscheid, der den 3. Südwestfälischen Oberflächentag moderierte. Um diese Entwicklungen zu diskutieren, biete der Oberflächentag regelmäßig Praktikern aus Inhouse- und Lohngalvaniken, Chemielieferanten und Anlagenherstellern ein Forum zum Informations- und Erfahrungsaustausch und zur Knüpfung sowie Pflege von Kontakten.

Trends in der Galvanotechnik

Als aktuelle Trends identifizierte Andreas Schütte, Technischer Leiter der Herbert Schmidt Oberflächentechnik GmbH & Co KG (HSO) in Solingen, unter anderem die stärkere Verwendung von „Grünen Technologien“, den Einsatz von Weißbronzesysteme statt Nickel, den Einsatz keimtötender Beschichtungen sowie die Einführung von dreiwertigen Chromelektrolyten: In der Automobilbranche gehe der Trend hin zu dunklen Echtmetalloberflächen. Neben reinen dekorativen Ansprüchen, müssten auch die funktionellen Eigenschaften damit abgebildet werden. Vor allem aber die EU-Verordnung REACH beeinflusse zukünftig die Verwendung von Stoffen. Gerade aufgrund der Anforderungen im Umweltbereich, müsse sich die Branche ständig weiterentwickeln, so Andreas Schütte.

REACH: Handeln erforderlich

Die Chancen und Risiken der EU-Verordnung REACH für die Oberflächenbranche machte Dr. Uwe König, Geschäftsführer Technologie ZVO e.V., im Detail deutlich. REACH ist die Kurzbezeichnung der EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Sie regelt, dass alle Chemikalien, die auf den EU-Markt gelangen, registriert sein müssen. Die EU-Verordnung gilt unmittelbar und bedarf keine separate Umsetzung in nationales Recht. Für die Umsetzung der Verordnung wurde die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki ins Leben gerufen. In Europa ist die Herstellung beziehungsweise der Import von Stoffen in Zukunft nur noch erlaubt, wenn diese vom Hersteller oder Importeur bei der ECHA registriert wurden. Welche Stoffe registriert werden müssen, veröffentlicht die Chemikalienagentur im Internet.
Jedes Unternehmen sollte handeln und den Registrierungsprozess der Stoffe aktiv gestalten und begleiten, so Dr. König. Möglich sei es ein eigenes oder ein gemeinsames Zulassungsverfahren mit den Beteiligten einer Lieferkette anzustreben. Er empfahl den Teilnehmern des Oberflächentages zunächst die eigene Situation zu identifizieren und sich dann einzubringen. Denn wer nichts unternehme, müsse davon ausgehen irgendwann den Stoff nicht mehr verwenden zu können. Es bestehe auch die Gefahr, dass die spezielle Anwendung einer Firma durch die beantragte Zulassung nicht abgedeckt ist. Dies gelte insbesondere für innovative Anwendungen und Produkte.

Kombination von Galvanik und PVD

Bei der Entwicklung von innovativen Prozessen setzt die Systec-Sci GmbH in Oberseifersdorf auf ein kombiniertes PVD-Verfahren mit galvanischen Techniken.
PVD bezeichnet alle Verfahren der physikalischen Abscheidung dünner Schichten über die Dampfphase. „Erst die gegenseitige Ergänzung von Galvanik und PVD ist in der Lage Oberflächen zu generieren, zu denen das einzelne Verfahren für sich betrachtet, nicht in der Lage wäre“, so Sebastian Bratke, Technischer Leiter der Systec-Sci GmbH. Zum Beispiel könne Kunststoff galvanisiert werden, damit wird er leitfähig und dann ist eine dekorative haftfeste PVD-Beschichtung möglich. „Das Galvanisieren von Kunststoffen bringt für die Kombination mit PVD enorme Vorteile“, so Bratke, denn die Oberfläche des Kunststoffes wird geglättet, erhöht kurzfristig die Temperaturbeständigkeit und die Haftfestigkeit sowie Korrosionsbeständigkeit der PVD-Schichten.

Automatisierung der Oberflächentechnik

Um nicht nur Verfahren umzusetzen wie die Kombination von Galvanik und PVD, sondern auch die Effizienz der Produktionsabläufe zu steigern, berichtete Michael Ludy, Geschäftsführer der Ludy Galvano AG aus Rothrist in der Schweiz, von modularen Galvanisieranlagen und -modulen als Fertigungsinseln, vollautomatischen Be- und Entladesystem sowie der automatischen Oberflächenkontrolle für alle metallisierten Oberflächen z.B. mit Chrom, Mattchrom und Gold. „Dieses individuellen Module vermeiden erhebliche logistischen Aufwendungen“, so Ludy.

Oberflächenatlas NRW

Bei der Suche nach Partnern, Kunden und Märkten zur Umsetzung von Innovationen und Projekten hilft der Oberflächenatlas NRW. Das Kunststoff-Institut Lüdenscheid hat in Kooperation mit dem „Netzwerk Oberfläche“, der WiN Emscher-Lippe GmbH und dem Kreis Recklinghausen den Atlas erstellt, der vergangenes Jahr online gegangen ist, berichtete Dominik Malecha vom Kunststoff-Institut Lüdenscheid. Im Atlas kann beispielsweise nach Lohnbeschichtern oder auch Rohstoffherstellern für unterschiedlichste Beschichtungstechniken recherchiert und Einrichtungen wie Bahn- und Flughäfen in der Nähe mit Entfernungsangaben gefunden werden. Der Atlas ist abrufbar unter www.oberflaechenatlas.de. „Die Unternehmen der Branche in NRW können sich kostenfrei in den Atlas eintragen“, so Malecha.

Weitere Informationen und die Vorträge der Referenten gibt es unter www.sihk.de (Dokumenten-Nummer 116823).